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1986 - 'Das Glas Wasser'

Lady Adenauer spricht Kölsch

„Das Glas Wasser" zum Jubiläum

Zum 25jährigen Bestehen der „Taunusbühne" Bad Schwalbach wird wieder auf der Burg Hohenstein gespielt. Und wie! Wahrlich jubiläumsreif ist die Inszenierung, die in dem romantischen und weitgehend sanierten Burggemäuer geboten wird. Davon konnten sich bei der Premiere zahlreiche Besucher und Ehrengäste überzeugen.

Joannes Lill als Direktor der hessischen Staatsbäder, der die Schirmherrschaft über die Jubiläums-Spielzeit übernommen hat, wünschte den weiteren Vorstellungen vor allem gutes Wetter. Darauf ist das Amateur-Theater vor allem angewiesen, wird auf der Burg Hohenstein doch unter freiem Himmel gespielt. Das gibt dem Lustspiel „Das Glas Wasser" zugleich seinen besonderen Reiz. Und da die Handlung in absolutistischen Zeiten spielt, bilden die alten Mauern stilvolle Kulissen dafür.

Das Lustspiel von Eugene Scribe in der Neufassung von Helmut Käutner hat keineswegs Patina angesetzt. Hoch aktuell sind die Charakteristiken politischer Verhältnisse und Beziehungen, bei denen es um Ränkespiel und Intrigen geht. Im Vordergrund steht die Frage Krieg oder Frieden, die letztlich im guten Sinne beantwortet wird.

Die Handlung am englischen Hof zu Zeiten der Erbfolgekriege in Europa spielt sich im Jahre 1710 ab. Der Viscount of Bolingbroke und die Herzogin von Marlborough stehen sich im politischen Zweikampf gegenüber, um die Königin für ihre jeweiligen Pläne zu gewinnen. Der adeligen Dame geht es darum, den Krieg gegen Frankreich weiterzuführen, woran vor allem ihr Mann, der Feldmarschall, interessiert ist.

Ihr Gegenspieler denkt wohl auch an seine persönlichen Interessen. Doch macht er bei seinem Eintreten für den Friedensschluß mit Frankreich bemerkenswerte Aussagen über die Kosten des Krieges und wer dessen Folgen zu tragen hat. Dazu gehören Feststellungen über die Opfer sinnloser Schlachten in der Bevölkerung und die Verwendung von Rüstungsgeldern, die in private Taschen fließen. Das Spiel um die eigentlich große Politik ist von dem Autor geschickt in private Verhältnisse und Auseinandersetzungen gekleidet worden. Zwei vornehme Damen streiten sich um die Gunst eines strammen Fähnrichs der Garde. Der wiederum ist in eine Schmuckverkäuferin verliebt, die bei ihrer neuen Stellung am Hof den gesunden Menschenverstand und das Empfinden einfacher Leute einbringt. Nach dem Motto, wonach kleine Ursachen große Wirkungen erzeugen, spielt ein Glas Wasser die wesentliche Rolle bei dem glücklichen Ausgang des Stücks.

Mit dem Flugkapitän Michael Klatte hatte die „Taunusbühne" einen ihrer früheren Akteure („Das Wirtshaus im Spessart") gewonnen, der erstaunliche Fähigkeiten zutage förderte. Zunächst inszenierte er „Das Glas Wasser" voller Feinheiten, Gags und aktuellen Anspielungen. So tauchte eine Lady Adenauer auf, die kölsch parlierte. Statt eines würdevollen Butlers agierte die Schwankfigur des Thankmar Stamm in dieser kleinen, doch äußerst witzigen Rolle.

Michael Klatte selbst gab den Viscount of Bolingbroke, um durch sein souveränes Spiel alle anderen Akteure sichtbar mitzureißen. Ausdrucksstark und voller Ironie wurde diese Hauptrolle gemeistert, ohne die anderen Schauspieler an die Wand zu drängen. Gut auch in ihrer Zerrissenheit zwischen Gefühl und Raison die Königin der Grudrun Pfeiffer.

Rosemarie Haas verkörperte äußerst sicher die Rolle der Herzogin von Marlborough. Jürgen Schmidt gab einen zugleich naiven wie lebendigen Fähnrich ab. Überzeugend in ihrer Liebe die Abigail der Barbara Creuzburg. Gewandt im Auftreten der von Gerhard Huiffner dargestellte französiche Gesandte. Viele Helfer des Ensembles hatten für ein stilvolles Bühnenbild und schmucke Kostüme gesorgt. ng

 


 
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