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Soufflage

Die Soufflage

Man ist mittendrin im Geschehen und lernt ein Theaterstück und seine Akteure von Anfang an kennen, versteht, was sich der Regisseur gedacht hat, und sieht, wo es bei der Umsetzung klemmt. Ja, manchmal begreift man an dieser Stelle auch erst so richtig, was sich der Schriftsteller gedacht hat. Denn, mal ehrlich – wie viele hat es in der Schulzeit so wirklich interessiert, was sich der „alte Goethe“ vorstellte, als er seinen „Faust“ erdachte ...?

Jede Schauspielerin, jeder Schauspieler ist anders. Der eine kommt zur Probe und kann seinen Text schon komplett auswendig, viele lernen erst während des Probens, indem die Souffleuse den Text einsagt. Und nach etlichen Wiederholungen sitzt er auf einmal. Ganz oft lachen wir alle zusammen, wenn ein Versprecher dem Text einen ganz anderen Sinn gibt. Und jeder hat einmal einen schlechten Tag und braucht die Souffleuse, auch bei den späteren Proben.

Soufflage - Monika Toldrian und Sylvia Ann Verlinger-Kreher
Soufflage - Monika Toldrian und Sylvia Ann Verlinger-Kreher 

Wichtig ist es, ein Gespür zu bekommen, ob eine Pause vom Schauspieler bewusst gemacht wird oder ob er gerade einen „Texthänger“ hat. Würde in eine bewusste Pause hineinsouffliert werden, so könnte das die ganze Szene kaputt machen, und ebenso, wenn bei einem Texthänger nicht eingesagt wird.

Wenn Sie, liebe Zuschauer, das Stück anschauen, ist der größte Teil der Arbeit für die Souffleusen (hoffentlich) schon getan.

Eine von uns ist bei jeder Vorstellung dabei. Am besten ist es, wenn Sie unsere Anwesenheit gar nicht bemerken. Wir sind das „Netz“ oder der „doppelte Boden“ für die gut vorbereiteten Darsteller. Wir bedeuten die Sicherheit, falls doch mal jemand in der Aufregung seinen Text vergisst. Und das Vertrauen, das in uns gesetzt wird, ist ein schönes Gefühl. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen heute gute Unterhaltung mit Schauspielern, die uns Souffleusen gar nicht brauchen.

Monika Toldrian


 
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