|

Keine Angst vor Aggressionen Faire Konfliktlösung wie geht das?

Das Kinder- und Jugend-Ensemble der Taunusbühne veranschaulichte in kleinen Szenen den alltäglichen Wahnsinn daheim. Referent und Kommentator war Diplom-Psychologe Sven Hölzel, Leiter der Jugend- und Familien-Beratung Idstein.
NEUE TERMINE - NEUE TERMINE - NEUE TERMINE:
|
Presseartikel Idsteiner Zeitung vom 21.04.2008: |
Szenen aus dem ganz alltäglichen Wahnsinn Konstruktives Streiten ist zentrales Thema einer Veranstaltung der Erziehungsinitiative in der Kreisstadt
Vom 21.04.2008
UNTERTAUNUS Aggressionen und Konflikte gehören einfach zum Leben. Um Wut und Brüllen als Szenen täglichen Wahnsinns wie konstruktives Streiten ging es bei der zehnten Veranstaltung "Erziehungsinitiative" in Bad Schwalbach. Von Friedbert Wolter
Alina will mit ihren Plüschtieren spielen, die Mutter sie in den Kindergarten verfrachten. Die Größere hat die Schule satt, in der Mehrgenerationenfamilie zofft sich jeder mit jedem. Arne hängt am Computer fest, die 13-Jährige kommt zwei Stunden zu spät nach Hause. Mächtig kracht es im Familiengetriebe, Wut und Brüllen brechen sich Bahn. Was jeder wohl schon mal erlebt hat, zeigen an diesem Abend Kinder der Taunusbühne.
- Video-Szene "13-jährige kommt zu spät nach Hause " als Silverlight-Version
Doch nicht nur Szenen des verbalen Hauens und Stechens hat Alina Hangen mit Mara und Lennart Heymann, Hannah und Lisa Wienzek sowie Arne Thomaß eingeübt, sondern auch das Weichspülprogramm. Die heile Welt, in der jeder mit jedem liebevoll und verständig umgeht, manchmal so gewollt übertrieben, dass die Akteure eigentlich kurz vor dem psychischen Erbrechen stehen müssten. Gewählte Worte von Sven Hölzel, erfahrener Leiter der Jugend- und Familienberatungsstelle Idstein, der erstmals eines seiner Fachthemen mit Hilfe der Taunusbühne in Szene gesetzt hat.
 Mitglieder der Taunusbühne
"Keine Angst vor Aggression - Faire Konfliktlösung, wie geht das?" Helge Wegmann als Ansprechpartnerin der "Erziehungsinitiative", einem Projekt der katholischen Pfarrgemeinde Bad Schwalbach, ist ebenso angetan von der Vielzahl der Besucher wie Bürgermeister Martin Hußmann in seinem kurzen Grußwort. Applaus und rhythmisches Klatschen folgen bei einer Kostprobe dessen, wie sich Aggressionen loswerden lassen: beim afrikanischen Trommeln, vorgeführt von zehn Schülern der Nikolaus-August-Otto-Schule mit Percussion-Leiter Christian Berg.
 Viele Interessierte in der Stadthalle
"Faires Streiten ist gut für eigene und fremde Gesundheit", sagt Hölzel, "außerdem ein Garant für reduzierte Scheidungsraten." Nicht angemessener Umgang mit Aggressionen führe zu Verhaltens- und Gesundheitsstörungen bis hin zu Krebs, positiver Umgang setze Kreativität frei, Risikofreude, Ehrgeiz, Durchsetzungsfähigkeit. Entscheidend sei das Vorbild der Eltern, würden Kinder doch nachahmen, wie diese sich durchsetzen.
Wie das spielende Kind aggressiv wird, weil es die Plüschtiere weglegen und mitkommen soll, die Mutter ungeduldig ist, wütend wird, brüllt, das Kind schließlich hochreißt, zeigt die erste Szene. Das Ganze noch mal weich gezeichnet mit der Mutter, die fragt, was das Kind spiele. Sagt, die Freunde im Kindergarten würden schon warten, die Plüschtiere sich auf die Rückkehr freuen.
 Spiel mit Plüschtieren ist wichtiger
"Das geht an der Realität vorbei", ist aus dem Hintergrund zu hören, und das stimmt. Die "normale" Interaktion hier und im Folgenden ist weniger stromlinienförmig mit Ecken und Kanten, lauten Worten und Tränen. Der Witz der Vorführung ist, Varianten aufzuzeigen und zu hinterfragen. Zur Erkenntnis zu gelangen, dass aufeinander Eingehen das Zauberwort ist: unterschiedliche Interessen so auszugleichen, dass jeder damit leben kann. Ein Idealzustand, der sich im Eltern-Kind-Verhältnis nicht ohne weiteres herstellen lässt. Nicht mehr in die Schule gehen zu wollen mag als Reaktion auf Frust verständlich, aber keine Lösung sein. Auch nicht die, als Elternteil zurückzubrüllen, sondern die Situation zu entschärfen, den Ball zurück zu spielen und zu versprechen, später darüber zu reden. Wie die Mutter mit ihrer zu spät heimkommenden Tochter, wie Eltern in ihren Rollen als der Ankläger und die Beschwichtigerin.
 Arne am Computer
"Männer und Frauen streiten unterschiedlich", weiß Hölzel. Seine Empfehlungen: "Mit dem Streit zu Ende kommen, keine Retourkutschen, in der Ich-Form sprechen, "immer" und "nie" vermeiden, keine alten Vorkommnisse oder Verhaltensweisen aufwärmen, aus Mücken keine Elefanten machen. Konfliktäußerung und -lösung trennen, jedem das Recht auf die eigenen Emotionen zugestehen und diese schildern lassen. Das Gesagte vom anderen wiederholen lassen, bis beide sich verstanden fühlen."
weitere Bilder vom Abend:
|