Aar-Bote vom 06.03.2006 - Stiften haucht guten Ideen Leben ein
Stiften haucht guten Ideen Leben ein Vom 06.03.2006
Friedbert Wolter "Ein dankbares Lächeln tut so gut." Diese Worte von Rüdiger Bieber, Stiftungsbeauftragter der EKHN und Initiator der Ausstellung, wird jeder bestätigen, der sich im sozialen Bereich engagiert, persönlich oder durch finanzielle Unterstützung. Als gutes Beispiel dafür nennt Pfarrer Rüdiger Müller-Gerbes die Engemann-Stiftung. Ins Leben gerufen hatten diese der frühere Kreisveterinär und seine Frau, die aus Dankbarkeit für die Pflege, die sie von Schwestern der evangelischen Krankenstation erfuhren, eine Stiftung zugunsten der Diakoniestation einrichteten. "Mit den zur Verfügung stehenden 4000 Euro im Jahr bringen wir unsere Schwestern auf den neuesten Stand der Pflege", so Gerbes, "eine Maßnahme, die sonst von niemandem bezahlt würde." Außerdem unterstützt die Stiftung die dringend benötigten ehrenamtlichen Hospizhelferinnen.
Ein Beispiel von vielen, das anregen soll, darüber nachzudenken, ob man selbst nicht seinem Herzenswunsch eine Zukunft geben könnte. Stiften macht´s möglich, haucht guten Ideen Leben ein, setzt sie in die Tat um, der Wille des Stifters ist heilig im Sinne von fest verbindlich, und das auf Dauer. Ist genug an Vermögen da oder finden sich Zustifter, die sich finanziell in die Stiftung einbringen, kann so etwas über Jahrhunderte Bestand haben, wie das 1417 in Biedenkopf eingerichtete Siechenspital oder die "Von Schrautenbach- und Aktuar Nau´sche Stiftung zu Friedberg". Hinter dem Wortungetüm stehen zwei christlich gesonnene Familien. Um die Förderung der Jugend und der Bedürftigen im Gebiet der kaiserlichen Burg ging es Wilhelmine von Schrautenbach 1732, um Bedürftige der Evangelischen Kirchengemeinde Karoline Louise Nau 1915. Später wurde beides zu einer Stiftung bürgerlichen Rechts zusammen gefasst.
Dieses Beispiel für Jahrhunderte überdauernde zielgerichtete Wohltätigkeit hatten Projektleiter Bieber sowie Brigitte Müller und Verena Scholtz von der Taunusbühne Bad Schwalbach auf die Idee gebracht, Wilhelmine von Schrautenbach samt Zofe ein Comeback zu bescheren, in höfischen Gewändern und der Sprache ihrer Zeit. Das kam bei dem kleinen Kreis der Zuschauer im Kirchenraum gut an, leuchtete ein wenig hinein ins Leben der damaligen "Herrschaften" und brachte so den Kunstgriff zuwege, dass diese sich posthum über ihre richtungsweisende Investition in die Zukunft 274 Jahre zuvor bestätigt sahen. "Stiften tut gut" heißt denn auch das Motto, das die EKHN anschaulich und mit Plakatwänden zwei Wochen lang unters Kirchenvolk bringt. Bei dem Slogan "Stiften tut gut" weiß man intuitiv, dass Bedürftigen Gutes getan wird. Und sich selber darf man dabei gleichfalls gut fühlen.
Der Stiftungs-Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, und es gibt vieles, was nachhaltiger Hilfestellung bedarf, in Zeiten geringer werdender Fördermöglichkeiten um so mehr, ob im kirchlichen, karitativen, im kommunalen, kulturellen oder eben dem Bereich, der einem selbst am Herzen liegt. | |