Garderobe im Gemüsegarten
Taunusbühne bereichert seit mehr als 40 Jahren das kulturelle Leben Aar-Bote vom 02.10.2008 BAD SCHWALBACH - Mit dem Begriff Theater ist in Bad Schwalbach und Umgebung seit mehr als 40 Jahren der Name Taunusbühne fest verknüpft. Von Hannelore Wiedemann Die Aufführungen auf der Freilichtbühne im Hof von Burg Hohenstein sind legendär; kaum einer, der nicht schon einmal dort unter dem Zeltdach den engagierten Amateurschauspielern zugesehen hat. Nur wenige allerdings dürften sich noch der Anfänge entsinnen - an die bescheidenen Mittel, mit denen die Truppe ihre Stücke auf die naturbelassene Bühne brachte. "Lichtwechsel bestand aus Stecker raus, Stecker rein", weiß Vorsitzende Brigitte Müller; die Darsteller zogen sich im Gemüsegarten um, als Transportmittel diente ein klappriger VW-Käfer. Ob die Aufführung ein Erfolg wurde oder nicht, bestimmte das Wetter; ein Dach gab es damals nämlich noch nicht.
Diese Umstände gehören längst der Vergangenheit an. Mit dem Zeltdach begann Ende der 80-er Jahre der kontinuierliche Aufstieg der Schauspieltruppe, die heute auf einem künstlerischen und technischen Niveau spielt, das in der Region Maßstäbe setzt. 220 Mitglieder zählt die Bühne; rund 80 gehören zu den Dauer-Aktiven, die bei jeder Produktion einen Part übernehmen - vor oder hinter den Kulissen. Außerdem gibt es noch mehrere Kinder- und Jugendgruppen: Die "Flöhe", in der die Acht- bis Elfjährigen ihre ersten Schauspiel-Erfahrungen machen können, die "Kids" im Alter von 14 bis 16 Jahren und schließlich die Gruppe "Rabbatz", die sich auch schon mit Anspruchsvollem wie Atem- und Sprechtechnik befasst. Alle Gruppen, ob Chor, Technik oder das Nähstübchen, treffen sich regelmäßig, meistens einmal pro Woche. Die Taunusbühne sei auch weniger ein Verein als vielmehr eine "große Familie". So sehen es jedenfalls die Vorsitzende Brigitte Müller und der - nur nominell - zweite Vorsitzende Andreas Roskos. Seit zwölf Jahren stellen die beiden das Team an der Spitze der Bühne, die längst ein kleines Unternehmen geworden ist. Buchführung, Gänge zu Behörden, die Organisation von Proben-Terminen und Werbung - "wenn wir die Verwaltungsarbeit bezahlen müssten, wären wir längst pleite", weiß Müller. Ehrenamt? "Eher ein Halbtagsjob - dabei wollte ich doch eigentlich spielen", seufzt sie. Etwa 70 Mal treffen sich die Schauspieler zu Proben, bevor eine Aufführung steht. Nicht alle, die dabei mitwirken, sind geborene Schauspieler - nicht nur dieser Umstand macht die Arbeit so spannend. "Man muss den Leute Rollen anbieten, die zu ihrer Persönlichkeit passen", weiß Roskos, der schon bei verschiedenen Stücken Regie geführt hat. Talent ist nicht Voraussetzung zum Mitspielen. Immer wieder investiert die Taunusbühne auch in die Ausbildung: Lehrgänge in Maske, Technik oder Theaterpädagogik gehören zum Angebot. Gleichzeitig werkeln die Bühnenbauer im Clubheim, sitzen die Schneiderinnen an den Maschinen, um die aufwendigen Kostüme zu nähen, basteln Techniker an Licht und Ton. Dass die Aktiven noch andere Hobbys haben, ist eher selten - allein vom Aufwand her "duldet" die Bühne kein anderes Engagement neben sich. Noch nicht einmal Schwangerschaft oder Kindererziehung werden als "Ausrede" akzeptiert: "Kinder und Hunde werden bei uns nahtlos integriert", schmunzelt Müller, den Nachwuchs sichert sich die Bühne schon im Mutterleib. Ein bisschen wie eine Schwangerschaft ist auch die Arbeit an einem neuen Stück: "Man weiß nie, wie es sich entwickelt", erklärt Regisseur Roskos, der im Hauptberuf als Theaterpädagoge arbeitet. Im gemeinsamem Spiel spiele Gruppendynamik eine große Rolle. Immer wieder müsse das Zusammengehörigkeitsgefühl neu erarbeitet werden, immer wieder müsse klar gemacht werden, dass es nicht darum gehe, der große Star auf der Bühne zu sein, dass es nur im Zusammenwirken funktioniere. Wie im richtigen Leben eben. | |||||