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05.01.2004 - Wenn vor der Vorstellung der Mond fehlt

Das Technikteam der "Taunusbühne" braucht neue Mitstreiter / "Sister Act" im Sommer auf Burg Hohenstein

Vom 05.01.2004


BAD SCHWALBACH Das "Dschungelbuch" ist wieder abgebaut, die Vorbereitungen für "Sister Act" auf Burg Hohenstein schon im Gange. Doch noch fehlen der Bad Schwalbacher "Taunusbühne" Mitarbeiter in der Technik und im Bühnenbau.


Von Kurier-Redakteur

Mathias Gubo

"Wo ist der Mond", wird Sammy Soukup ganz aufgeregt. "Vorhin habe ich ihn noch gehabt, jetzt ist er auf einmal weg". Peter Kreppel, Chef der Technik des Bad Schwalbacher Amateurtheaters springt auf und sprintet hinter die Bühne. Nur noch wenige Minuten bis zur letzten Aufführung des "Dschungelbuchs" im Kurhaus in Bad Schwalbach. "Das Blaulicht ist jetzt auch weg", meldet Soukup vom Technikerpult über ein Funkgerät seinem Kollegen hinter der Bühne. Der sucht fieberhaft nach dem Fehler und wird bald fündig: Die Sicherung eines "Dimmerpacks" war draußen, schnell ist die Sache repariert, der wieder Mond aufgegangen. Die Aufführung kann beginnen.

Erlischt das Licht im Kurhaussaal, beginnt nicht nur die große Zeit der Schauspieler der "Taunusbühne", sondern auch die von Peter Kreppel und seinen "Glühwürmern". Denn ohne modernste Technik geht heute gar nichts mehr auf und hinter der Bühne, wochen-, oft sogar monatelange Vorarbeiten sind dafür notwendig. Doch da genau beginnen die Probleme der "Taunusbühne". Das Technikteam um Peter Kreppel gibt es bald nicht mehr, gleich drei von ihnen machen eine Zwangspause: Kreppel schreibt seine Abschlussarbeit an der Fachhochschule in Mainz, Elena Reiche geht zu einem Studiensemester in die USA und Oliver Gärtner zum Studium nach Berlin. "Eine ziemliche Last auf wenigen Schultern" ruht deshalb auf dem restlichen Technikerteam, das so langsam mit den Vorbereitungen für "Sister Act" im Sommer auf Burg Hohenstein beginnt. Eigentlich, so Kreppel, stehe das Musical im Sommer "auf der Kippe". Weshalb dringend neue Mitstreiter und Helfer in Licht- und Tontechnik, aber auch im Bühnenbau gesucht werden.

Vier bis fünf Monate vor der Premiere beginnen die Vorbereitungen der "Taunusbühne". Bei den Proben verschaffen sich die Techniker ein erstes Bild, versuchen eine Vorstellung von den technischen Anforderungen zu bekommen, die für die neue Produktion optimal wären. Welches Licht braucht welche Szene, wird die Nebelmaschine gebraucht, ist Pyrotechnik notwendig? "Das technisch Machbare" sei das Ziel, sagt Kreppel. Und das ist bei der "Taunusbühne" oft weit mehr als bei anderen Amateurtheatern. Drei bis vier Wochen vor der Premiere beginnt die Technik dann mit dem Aufbau: Die Scheinwerfer werden platziert, Licht- und Tontechnik eingestellt. Unmengen von Kabel werden verlegt, allein ein halbes Dutzend Kabeltrommeln waren beim "Dschungelbuch" notwendig, um die beiden "Verfolger", also bewegliche Scheinwerfer, mit Strom zu versorgen.

Ein Blick hinter die Kulissen des Weihnachtsmärchens geben eine Ahnung von dem Aufwand, der bei der "Taunusbühne" getrieben wird: Hinter der so genannten Operafolie sind 36 Scheinwerfer montiert, die, quasi computergesteuert, dafür sorgen, dass auf dem Bühnenhintergrund "immer die richtige Stimmung herrscht", erklärt Kreppel im Fachchinesisch. Denn unter "Stimmung" verstehen die Techniker die jeweilige Beleuchtung jeder Szene. Ob Dschungeleffekte, Sonne über der Prärie, Dunkelheit oder Mond vor blauem Nachthimmel, jede Szene wird von der Lichttechnik vorher genau festgelegt und mittels eines Computerprogramms exakt programmiert. Rund 60 Scheinwerfer standen im Kurhaus dafür zur Verfügung.

Am Steuerpult sitzt bei der letzten Aufführung Sammy Soukup, er ist an diesem Tag der Herr über Licht und Nebelmaschine. Neben ihm Ralf Della Bella, der für den Ton verantwortlich ist, über ihnen, auf der Empore, Ulrich Müller an der Videokamera. "Mir macht's mehr Spaß hinter der Bühne", sagt Della Bella, "das ist mir lieber als vorne rum zu tanzen". Sein Kollege Kreppel hat auch ein wenig Bühnenerfahrung. Er wurde als Wache für den "Robin Hood" geködert, sagt er lachend. Derweil kommt Regisseurin Gudrun Dauth und fragt nach, wo sie heute helfen kann. "Ich mache, was gerade gebraucht wird", stellt sie gut gelaunt fest und lässt sich zum Dienst an einem "Verfolger" einteilen. Bei der "Taunusbühne" geht die Arbeit nie aus.

Auch nicht während des laufenden Stücks. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Funkmikrofon ausfällt oder die Nebelmaschine den Geist aufgibt. Dann muss improvisiert werden, sagt Kreppel. "Wir versuchen alles so zu machen, dass der Zuschauer nichts mitbekommt".

Boris Manteuffel und seine Mitstreiter vom Bühnenbau haben sich beim "Dschungelbuch" wieder selbst übertroffen. Christine Herber lieferte die Entwürfe für das Bühnenbild. Auch hier sind helfende Hände sehr willkommen. "Ein pensionierter Schreiner und ein Schlosser wäre ideal", sagt Kreppel. Im Bühnenbau sei man für jeden Mitstreiter dankbar, "da kann man reinwachsen". Während die Techniker doch einige Zeit brauchen, um ihr Metier zu beherrschen.

Inzwischen hat sich der Saal gefüllt, auch die 15. Vorstellung des "Dschungelbuchs" ist ausverkauft, rund 5 000 Besucher haben das Weihnachtsmärchen gesehen. Erwartungsvolle Stille senkt sich über den Saal, der Bühnenvorhang hebt sich, Sammy Soukup sitzt am Steuerpult und drückt die Go-Taste.

Wer Interesse hat, beim Bühnenbau oder der Technik der "Taunusbühne" mitzuarbeiten, der melde sich beim Bad Schwalbacher Amateurtheater, Telefon 06124/720666.


 
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