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2002 - 'Frau Holle' - frei nach den Brüdern Grimm

Stückbeschreibung

Hallo, liebe Kinder,

ihr kennt bestimmt die Geschichte von der fleißigen Marie und der faulen Liese. Marie musste alle Arbeiten im Haus erledigen und täglich Wolle spinnen, bis sie blutige Finger hatte. Eines Tages, als die Spule ganz blutig war, beugte sich das Mädchen in den Brunnen und wollte sie abwaschen, dabei rutsche ihr die Spule aus der Hand und fiel hinab. Die Stiefmutter schimpfte und sprach: "Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf." In ihrer großen Angst, beugte sie sich zu tief in den Brunnen und fiel hinein.

Liebe Kinder, jetzt geht das Abenteuer erst richtig los, denn Marie befindet sich im Reich der Frau Holle und muss viele Aufgaben lösen.

Wiesbadener Kurier vom 26.11.2002

Hans im Glück liebt die Goldmarie

Mit "Frau Holle" hat die Taunusbühne Bad Schwalbach erneut ein grandioses Weihnachtsmärchen auf die Bühne gebracht. Mit ungewöhnlichen Einfällen ziehen die Amateurschauspieler zwei Stunden lang sowohl Kinder als auch Erwachsene in ihren Bann.

Von Kurier-Redakteur Martin Schirling

Vorhang auf für einen phantastischen Theaternachmittag. Die Kinder in den eigens für sie reservierten ersten acht Stuhlreihen des Bad Schwalbacher Kurhauses kennen sie alle, die Geschichte von der fleißigen Marie und der faulen Liese, bekannt auch als Goldmarie und Pechmarie. Doch die Taunusbühne wäre nicht die Taunusbühne, wenn man sich aufs reine Nacherzählen des Märchens der Geschwister Grimm beschränken würde. Entsprechend haben die Regisseure Andrea Just und Michael Klatte kräftig die Vorlage verändert. Gerade soviel, dass es für die Erwachsenen Zuschauer überraschende Momente gibt, die Kinder hingegen das Original, das abend von Mama oder Papa vor dem Einschlafen erzählt wird, wieder erkennen.

So wird in die Geschichte der Frau Holle durchaus logisch die Geschichte vom Hans im Glück eingewoben. Der Hans (Alex Gajic) kommt auf seiner Wanderung in das Haus von Marie (Ilka Dehmel), Liese ( Elena Reiche) und deren habgierigen Mutter (Marianne Neuendorf). Natürlich verliebt sich der Hans in die strohblonde Marie, und ist sterbensunglücklich, als seine Marie beim Reinigen der blutig gesponnen Spindel in den Brunnen fällt. Doch Schornsteinfeger Fritz (Christian Müller) weiß den Unglücklichen zu trösten. Kommen doch die Mädchen, die in den Brunnen fallen, zur sagenumwobenen Frau Holle, wo sie reich entlohnt werden, sagt er. Doch auch auf den lieben Fritz wartet Unglück. Verschmäht doch die faule Liese seine Zuneigung, und springt lieber auf Geheiß der Mutter ebenfalls in den Brunnen, um von Frau Holle belohnt zu werden.

Im Reich der Frau Holle (Emmy Fassbender) müssen die beiden Mädchen dann viele Aufgaben lösen. Auf ihrem gemeinsamen Weg zur Frau Holle treffen sie den Wind (Günther Soukup), den Nebel (Stefan Thomas) und den Frost (Uwe Hangen). Nach einem Jahr bei Frau Holle kommen Liese und Marie wieder auf der Erde an, belohnt mit dem, was ihnen zusteht. Dass die Liese am Ende nicht nur schwarz sieht, hat sie wiederum der Inszenierung der Taunusbühne zu verdanken, in der man sich ein ganz eigenes Ende ausgedacht hat.

Gewohnt kindgerecht bringen die Akteure das Stück auf die Bühne. In den kurzen Umbaupausen wird den Kindern das Geschehen von den Figuren erläutert, immer wieder werden die Kinder mit Frage und Antwort in das Stück einbezogen. Zudem führt die neunjährige Ylva Soukup als tanzende Schneeflocke "Weißröcken" erklärend durch das Stück. Dass es aus Kindermund besonders viele Buhs für Elena Reiche als Liese gibt, darf getrost als Kompliment betrachtet werden. Reiche spielt die Liese hinreißend motzig und faul. Viel Applaus gab es hingegen für Wind, Nebel und Frost. In phantastischen Kostümen gewandet, hatten sie die Kinder sofort begeistert. Besonders der Frost hatte es dem Publikum angetan. In einem schneeweißen Glitzerkostüm wirbelte er singend wie einst Elvis Presley über die Bühne.

Fazit: Der Taunusbühne ist es erneut gelungen, ein tolles Stück für Kinder und Erwachsene zu inszenieren. Allerdings sollte man Zwei- und Dreijährigen den Theaterbesuch lieber ersparen. Sie sind mit dem Geschehen auf der Bühne sicherlich noch überfordert.


 
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