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1997 - Der Tollste Tag
1997 - Der kleine Hobbit
1998 - Das Gewürzkrämerkleeblatt
1998 - Die kleine Hexe
1998 - Hessische Einakter
1999 - Kalif Storch
1999 - Schluck und Jau
2000 - heute
 

1999 - 'Schluck und Jau'

Stückbeschreibung

Die Taunusbühne ist stolz darauf, einhundert Jahre nach der Uraufführung und wenige Tage nach dem 53. Todestag von Gerhart Hauptmann dieses Stück in einer wie dafür geschaffenen Szenerie -der Hohensteiner Burg- präsentieren zu können. Die ursprünglich in schlesischem Dialekt geschriebenen Dialoge der Saufbrüder Schluck und Jau wurden vom Regisseur Knut Schneider, in liebevoller Arbeit zum Detail, in das Nassauische übertragen, was dem Stück lokale Authentizität verleiht. In Schluck und Jau geht es um die in der Weltliteratur vielmals dargestellte Geschichte "des Königs für einen Tag". Hauptmann greift auf den Prolog zu Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" zurück. Sein genialer Kunstgriff besteht nun darin, aus "Schreiner Schlau" zwei Figuren gemacht zu haben: Schluck und Jau. Dies ermöglicht die Darstellung der ganzen Bandbreite des menschlichen Wesens.

Fürst Jon Rand kommt mit seinem Freund Karl und Gefolge auf sein Jagdschloß zurück. Am Wegrand entdeckt er die beiden Trunkenbolde Schluck und Jau. Verärgert über die Anwesenheit der Beiden im Bereich seines Schlosses, befiehlt er den stark betrunkenen Jau ins Stockhaus zu werfen und Schluck soll so schnell wie möglich verschwinden.
Karl aber möchte seinem Fürsten und dessen Frau eine besondere Art von Vergnügen bieten und somit wird Jau für einen Tag Fürst.

So erwacht Jau im Himmelbett des Jagdschlosses, wird von Lakaien und Würdenträgern als "Durchlaucht" behandelt und findet sich, nach anfänglichen Zweifel an der Existenz der für ihn "traumhaften" Umgebung, erstaunlich rasch in die neue Lage. Sein Kumpan Schluck hingegen läßt sich nicht darüber täuschen, daß er das Opfer einer herrschaftlichen Kaprice geworden ist, und versucht, möglichst anstellig und kunstfertig die von ihm geforderte Rolle zu spielen - nicht ohne Furcht vor der Ungnade der "hohen" Personen.
Unterdessen reitet Jau zur Jagd, akzeptiert die Prinzessin Sidsellil als "Tochter", tobt tyrannische Gelüste aus, erfreut sich am nackten, sinnlosen Machtgebrauch, bleibt auch im Staatsrock ganz, der er war, und gibt - nach dem Zusammentreffen mit dem als "Fürstin" verkleideten Schluck - den sehr standesgemäßen Befehl, dieses "Weibsbild" aus der Welt zu schaffen und zu vergiften.
Als er schließlich ernsthaft mit dem Hinweis, was er wolle, habe zu geschehen, die Kammerfrau der Prinzessin begehrt, reicht man ihm flugs einen Schlafdrunk, um ihn wieder in den Straßengraben werfen zu können.

Aus dem zweiten Aufzug:
Karl: Gedenken Euer Durchlaucht, gleich aufs Pferd zu steigen?
Jau: (In seiner Rolle als Fürst für einen Tag) Ei klar, warum nit? Wenn der Gaul dodenaach is? Ei glaabe Se vielleicht, ich hett in meim ganze Lebe noch nie uff em Gaul gesesse? Ich wer mers aagucke, dann will ich ebbes esse -Flaasch un Klöß un Soß- un en Schoppe Bier dezu, un dann kann die Reiterei losgehe.

Die Lachmuskeln werden durch die schwankhaft ausgelassenen Szenen, in denen viel Wortwitz und Wortspiele enthalten sind, strapaziert. Wichtig bleiben bei aller Heiterkeit die psychologischen Vertiefungen, die dem Stück Nachdenklichkeit und Tiefe verleihen.

Wiesbadener Kurier vom 14.6.1999 (Untertaunus-Ausgabe)

Einer Despot auf Zeit, der andere die gute Seele

Wohl im Lotto gewonnen? Manchmal führt der Weg zu Reichtum und Ansehen über andere Pfade. Der betrunkene Tagelöhner Jau und sein braver Kumpel Schluck werden für einen Scherz auf ein Schloß gebracht. Jau wird prächtig angezogen und von den Bediensteten und dem Fürst wie eine Majestät behandelt. Schluck muß in Frauenkleider schlüpfen und die Dame des Hauses geben. Während in Jau der Despot erwacht, der alle mit seinen Befehlen traktiert, bleibt Schluck eine gute Seele und macht gute Miene zum bösen Spiel. Nachdem die Adelsgesellschaft sich an dem Paar und seinen Flausen genügend delektiert hat, werden sie wieder in ihre alte Realität entlassen.

Gerhart Hauptmann schrieb um die Jahrhundertwende das Stück "Schluck und Jau". Er griff auf einen Stoff zurück, der unter anderem in der Variante "Jeppe vom Berge" des Niederländers Holberg bekannt wurde. Die Taunusbühne Bad Schwalbach setzt diese süßsaure Komödie auf der Burg Hohenstein in Szene. Knut Schneider hat den Text ins Nassauische übertragen und führte Regie. Motivation, dieses teilweise romantisch getragene Drama mit viel Fingerzeig-Philosophie für den Festspielsommer auf der Burgruine zu nehmen, waren sicher die Hauptakteure. Hans-Horst Seumel schikanierte mit Schmackes seinen Hofstaat, Oliver Gärtner gab dem Schluck überzeugende Gutmütigkeit. (Anmerkung der Taunusbühnen-Redaktion: Die Person des 'Schluck' wurde nicht von Oliver Gärtner, sondern von Regisseur Knut Schneider gespielt, welcher aufgrund einer Erkrankung Gärtners kurzfristig dessen Rolle übernahm) In feuerrotem Frauenfummel und mit Wagenradhut lief er als "Fürstin" zu karnelvalesker Hochform auf. Da hatten es Hubert Prause als Baron und Rainer Seck als dessen Freund schwerer. Ständig tiefsinnig zu sein, über Schein und Sein zu plaudern und sich von der "Kreuzspinne Langeweile" geplagt zu geben, ist wenig effektvoll. Leider fast nur sentenzenhafte Schlauheiten stehen dem Narren (Peter Neugebauer) zur Verfügung. Die Prinzessin Sidsellil von Sabine Müller (hübsch und anmutig) hatte ständig mit verliebten Kulleraugen dem Pagen nachzuschauen. Brigitte Müller gab die Kammerfrau Adeluz als sinnliches Vollweib.

Der Witz des Ganzen ergibt sich vor allem aus der Fallhöhe der bäuerlichen Sprache von Schluck und Jau und eingeschmuggelten lokalen Anspielungen. Bei der Premiere spielte sehr stimmungsvoll das Jagdbläserensemble Parforcechor Platte auf.

Kathrin Schwedler

Wiesbadener Kurier vom 25.6.1999 (Untertaunus-Ausgabe)

Der Ehrengast hatte viel Freude auf der Burg

Ein ganz besonderer Ehrengast wird erwartet, und selbstverständlich herrscht kurz vor Vorstellungsbeginn Chaos. Daran, daß er für seinen erkrankten Schluck einspringen muß, hat sich Regisseur Knut Schneider ja mittlerweile gewöhnt. Aber ausgerechnet heute will und will auch sein Karl nicht auftauchen. Und da nimmt auch schon Ingeborg Hauptmann ihren Platz unter den Zuschauern ein, die leibhaftige Enkelin des großen deutschen Dramatikers, dessen "Schluck und Jau" Schneider in jahrelanger Arbeit neu ins Nassauische übertragen hat und jetzt mit der Taunusbühne auf der schönen Burg Hohenstein spielt.

Den fehlenden Karl gibt schließlich Schneiders Sohn Marc Ullrich - eben noch Regieassistent und Souffleur - und der Ehrengast ist von der Komödie um die zwei Trunkenbolde, die sich einen Tag lang wie hohe Herrschaften aufführen dürfen, rundum begeistert. "Es hat mir sehr gut gefallen", sagt Ingeborg Hauptmann und lobt die Schauspieler von der Kammerfrau bis zum Fürsten.

Die dürfen sich auf das Urteil der Enkelin ruhig etwas einbilden. Nicht, daß es allein deswegen schon schärfer wäre, weil das Blut Gerhart Hauptmanns in den Adern der älteren Dame fließt. Aber weil sie dessen Stücke immer gerne gesehen hat und auch heute noch dafür nach Berlin, Dresden oder Hannover fährt, ist Ingeborg Hauptmann im Laufe ihres Lebens zu einer profunden Kennerin geworden, was die Produktionen der großväterlichen Bühnenarbeiten angeht.

Sogar für das so selten aufgeführte "Schluck und Jau" kann sie einen Vergleich heranziehen. Vor zehn Jahren hat sie eine aufwendige Inszenierung in Schwäbisch-Hall besucht, und obwohl damals der Part der beiden Schluckspechte originalgetreu im schlesichen Dialekt belassen war, kommt die Taunusbühne besser weg. "Schneiders Übersetzung ins Nassauische hat sehr gut funktioniert", lobt sie. Zu etwas ganz besonderem habe auch das Burg-Ambiente die Aufführung gemacht. "Das passte ganz genau zur Stimmung des Stücks."

Ingeborg ist die Tochter von Eckart Hauptmann, einem Sohn des Autors aus seiner ersten Ehe mit Marie Thienemann. In Holland geboren und aufgewachsen, hat sie Großvater Gerhart hauptsächlich bei Premierenfeiern kennengelernt, zu denen sie als junges Mädchen während des Krieges nach Deutschland reiste. "Er war damals schon ein würdiger alter Herr von 80 Jahren, sehr freundlich, sehr nett, mit einer enormen Ausstrahlung - aber trotzdem immer etwas auf Distanz." Seit 1950 wohnt die Hauptmann-Enkelin in Wiesbaden und versäumt bei den Maifestspielen selten die Aufführung eines seiner Stücke.

Sollten sich Regisseur Schneider und die Taunusbühne weiterhin dem Hauptmannschen Opus verpflichet fühlen, könnten sie Frau Hauptmann mit einem Stück eine besondere Freude machen: "Die versunkene Glocke", sagt sie, sei ihr Lieblingswerk, weil es in lyrisch-märchenhafter Form die tragische Scheidung des Dichters von Ihrer Großmutter nacherzähle.

Markus Bennemann


 
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